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Schwan Gifs

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Ein Schwan
Ein Schwan zieht auf dem Wasser dahin
ganz von sich selbst umrahmt, wie ein gleitendes Gemälde;

so zeigt sich - zu gewissen Augenblicken -
ein Wesen, das man liebt, wie ein bewegter Raum.

Es nähert sich, gedoppelt wie der schwimmende Schwan,
unserer betrübten Seele ...,

die auf dieses Wesen das zitternde Bild
des Glücks und des Zweifels wirft.
Rainer Maria Rilke

Mythologie
Ja, Europa ist erlegen -
Wer kann Ochsen widerstehen?
Wir verzeihen auch Danäen -
Sie erlag dem goldnen Regen!

Semele ließ sich verführen -
Denn sie dachte: eine Wolke,
Ideale Himmelswolke,
Kann uns nicht kompromittieren.

Aber tief muß uns empören
Was wir von der Leda lesen -
Welche Gans bist du gewesen,
Daß ein Schwan dich konnt betören!
Heinrich Heine

Der Schwan
Im letzten Sonnenstrahl,
Von Felsen eingeschlossen
Liegt einsam still ein Thal,
Vom breiten Strom durchflossen.

Mit seiner Wellen Bahn
Zieht auch ein Schwan, und leise
Frägt ihn die Nacht, sag an,
Wohin geht deine Reise? -

So mit den Wellen fort
In immer tiefre Fluthen,
Um bei den Sternen dort
Im Stillen zu verbluten.
Hermann von Lingg

Der schwarze Schwan
Mondbeschienen fliegt der schwarze Schwan
über nächtiger Meere blanken Spiegel.
Nacht um Nächte zieht er seine Bahn,
und nur Silber tropft von seinem Flügel.

Silber tropft von seinen Flügelspitzen,
die er sonst getaucht in dunkle Fluten...
Die noch nie so lang im Glanze ruhten
- taucht sie ein, und Silbertropfen blitzen!

Streift auch mit der Brust den Spiegel jetzt,
und wie Heimweh ist es fast zu tragen,
daß der Flügel sich nicht mehr genetzt
in dem Dunkel seit so vielen Tagen.
Leo Sternberg

Leda
Als ihn der Gott in seiner Not betrat,
erschrak er fast, den Schwan so schön zufinden;
er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.
Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,

bevor er noch des unerprobten Seins
Gefühle prüfte. Und die Aufgetane
erkannte schon den Kommenden im Schwane
und wußte schon: er bat um Eins,

das sie, verwirrt in ihrem Widerstand,
nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder
und halsend durch die immer schwächere Hand

ließ sich der Gott in die Geliebte los.
Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder
und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.
Rainer Maria Rilke, 1908

Allein
Des Dunkels Vorhang senkt sich dicht
Herab in Nebelfeuchte,
Durch Wolken scheint des Mondes Licht
Wie eine Grabesleuchte.

Weh, wer heut Nacht allein muß sein!
Wer gegen Zweifel und Hassen
An der Menschheit Grenze ganz allein
Auf Wache steht, verlassen.

Das Kind ruht an der Mutter Brust,
Der Greis auf Enkelsknieen,
Die Liebenden ruhn in Liebeslust,
Der Schwan in Melodieen.

Auf Melodieen trag auch dich
Dein Traum durch Blüthenranken,
Um mich indessen schaaren sich
Die nagenden schwarzen Gedanken.
Hermann von Lingg

Der Schwan
Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen:

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehen, Flut um Flut;

während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu ziehn geruht.
Rainer Maria Rilke

Tierisch menschlich
Die Schlange schlängelt sich durchs Leben.
Der Wurm, er sieht's und wurmt sich eben.

Der Igel igelt aus Furcht sich ein.
Drum fuchst sich der Fuchs im Wiesenhain.

Die Maus maust nur, was lecker ist.
Die Fliege fliegt auf jeden Mist.

Frohgemut hechtet der Hecht im Meer.
Am Strand krebst glücklos der Krebs daher.

Dort aalt sich auch der Aal mit Genuss,
derweil die Robbe dort robben muss.

Die Unke unkt verlorenen Mutes.
Dem Schwan im Teiche schwant nichts Gutes.
Wolfgang Lörzer, 2007

Schwanenlied
Ruhig auf den Meeren kommt der Schwan gezogen,
Des Kalmus Düfte wehen ihm entgegen,
Ihn grüßt die Fluth mit buhlerischen Schlägen,
Der Abendhimmel mit dem Strahlenbogen.

Er schwingt, bis ihm des Todes Nacht umzogen,
Dann will im Lied er alle Wogen hegen,
Die liebend iihn begrüßt auf seinen Wegen
Und in GEsängen ist sein Geist verlogen.

So hab' auch ich der Grüße wohl geachtet,
Die liebende, geliebte Wesen sandten,
Als auf dem Strom der Jugend ich getrieben.

Nun an der Grenze meine Seele trachtet,
Dem letzten Hauch, als freundlichem Gesandten,
Im Lied zu trau'n die Bilder meiner Lieben.
Wilhelm Genth


An Grillparzer
»Laß, hehrer Aar, uns durch die Wolken dringen!
Du bist der stärkre, ziehe Du voran! –
An Muth Dir gleich, an Kraft Dir unterthan,
Versuch' auch ich's, und prüfe meine Schwingen.« –

So sprach ein Schwan. – Da hört er siegreich klingen
Des Aares Fittig, der den Flug begann,
In stiller Kraft hob er sich sonnenan;
Der Schwan ersah's, – da wollt' das Herz ihm springen.

Doch wie den Aar die Lichtgefild' umweben,
Er auf dem Saum der Rosenwolke ruht,
Da rief der Schwan bald in Begeistrungsgluth:

»Dein ist der Sieg! Du kannst zur Sonne schweben;
Mir ward ein dunkler Element gegeben.« –
Und liebend taucht er nieder in die Fluth.
Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

Sehnsucht
O wär ich doch ein wilder Schwan!
Die Flügel spannt ich weit
Und tät mich hoch aufschwingen:
Einen Gruß möchte ich dir bringen –
Ach, Liebster, wie bist du so weit!

O wär ich doch ein wilder Schwan!
Die Flügel spannt ich weit
Und tät mich hoch aufschwingen,
Wo die weißen Engelein singen
Vor Maria, der himmlischen Maid.
Adolf Frey

Das sind die Gärten, an die ich glaube...

Das sind die Gärten, an die ich glaube:

Wenn das Blühn in den Beeten bleicht,
und im Kies unterm löschenden Laube
Schweigen hinrinnt, durch Linden geseigt.

Auf dem Teich aus den glänzenden Ringen
schwimmt ein Schwan dann von Rand zu Rand.
Und er wird auf den schimmernden Schwingen
als erster Milde des Mondes bringen
an den nicht mehr deutlichen Strand.
Rainer Maria Rilke


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